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Europäisches Manifest
Nordkorea hat Atomwaffen. Der Iran wird bald welche haben, ohne das die Weltgemeinschaft irgendetwas dagegen unternehmen könnte. Andere Länder werden sich gezwungen sehen, nachzuziehen, z. B. die Türkei, Ägypten oder Südkorea.
Je mehr Mächte sich im Besitz von Massenvernichtungswaffen befinden, desto schwieriger die Aufgabe, Proliferation zu verhindern.
Die Welt wird seit dem Ende des kalten Krieges immer gefährlicher und dieser Trend dürfte noch lange anhalten. Das völlige Versagen amerikanischer Außenpolitik zwingt Europa, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die noch zu ratifizierende EU- Verfassung bietet hoffnungsvolle Ansätze einer stärker koordinierten Rüstungspolitik. Sollte man irgendwann in der Lage sein, die vorhandenen Wehr- Ressourcen effizient zu nutzen, könnte die schöne alte Welt endlich wieder der Global Player werden, der sie seit 1945 nicht mehr ist.
Allerdings ist das dafür nötige Kooperationsniveau nicht mit 27 Staaten zu erreichen. Deutschland, Frankreich, ein wenig Benelux und Skandinavien, vielleicht Spanien, das würde schon völlig ausreichen. 150- 200 Millionen Menschen, Weltmachtformat. Die wahren Bannerträger der Freiheit.
Großbritanien wie auch die jungen EU- Mitglieder sind weitestgehend mit dem "neuen Karolingerreich" zu assoziieren, sie sind aber langfristig zu sehr nach Washington orientiert, als das sie verlässliche Säulen des europäischen Palastes sein könnten. Man sollte sich auf die weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Bezwiehungen zu diesen Ländern konzentrieren und nicht der gefährlichen, weil lähmenden Illusion anheimfallen, dass sie mittelfristig schmerzhafte Einschnitte in ihre Souveränität dulden würden.
Nichts ist unrealistisch oder vermessen an der so populären Forderung, das alte Europa müsse ein Gegengewicht zu den USA bilden. Die Kraft dieser Idee wächst mit der Einsicht, dass der transatlantische Partner eben nur ein Partner, kein wohltätiger, reicher Onkel ist, der uns vor der häßlichen Welt beschützt. Er ist vielmehr Teil dieser häßlichen Welt, vor der wir uns verdammt nochmal selbst zu schützen haben! Und daraus kann man dem bösen Onkel keinen Vorwurf machen. Er tut nur das, was wir endlich beginnen müssen zu tun: Er verfolgt seine Interessen.
Es ist an der Zeit, Illusionen und Ängste hinter uns zu lassen. Das gilt vor allem für Deutschland. Der erste Schritt dazu ist eine Emanzipation von den USA, die sich in den Köpfen vom Subproletariat bis nach Sylt längst vollzogen hat. Nur unsere politische Kaste kann sich nicht von überkommenen Vorstellungen lösen, seien es die von Adenauer oder Dutschke.
Der auf so gnadenlose und irrationale Weise verspottete "Pralinengipfel" des Jahres 2003 bot eine großartige Perspektive.
Leider wurde sie nicht weiter verfolgt und es steht zu befürchten, dass eine unionsgeführte Bundesregierung ihr endgültig den Garaus machen würde. Entsinnt man sich des mit Verve von Rot- Grün vorgetragenen Wunsches, die Türkei in die EU aufzunehmen, so steht man vor der Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen Friedbert Pflüger und Claudia Roth.
Immerhin würde ein Beitritt der Türkei jedem schnell klarmachen, dass die Union überdehnt und politisch nicht mehr handlungsfähig ist. Sie würde endgültig zur Wirtschaftsgemeinschaft degenerieren.
Daraus wird die Idee einer außen- und verteidigungspolitischen Avantgarde neue Kraft schöpfen, da nun ganz offensichtlich würde, dass die einzige Alternative zu ihr die Rolle des ewigen NATO- Pudels der USA darstellt.
Insofern bleibt vorerst nur, auf die Fügung und noch viele desaströse republikanische Jahre in Amerika zu vertrauen. Man wird Karl Rove einst in Paris ein Denkmal errichten.
Aus der Asche des russichen und des amerikanischen Imperiums vermag ein europäischer Phönix zu erwachsen, dessen Kraft unsere Vorstellung übersteigt. Sollen die engstirnigen Zweifler und Querulanten nur jammern und mahnen, sollen sie mit widerlichem Sarkasmus ihre eigene Erbärmlichkeit belegen, wir jungen Europäer lassen uns nicht mehr von den Ängsten alter Männer fesseln, eine goldene Zukunft leuchtet den mutigen Pragmatikern.
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